„Bloß nicht schwer heben! Schonen! Nur kein Risiko eingehen!“ Das sind Ratschläge, die jede Schwangere in Deutschland mit auf den Weg bekommt. Für die meisten schwangeren Frauen in Afrika ist das schlicht undenkbar: Sie schleppen oft kilometerweit schwere Wasserkanister auf dem Kopf. Sich schonen, um das Leben des Kindes nicht in Gefahr zu bringen: Wie soll das gehen, wenn die nächste Wasserstelle in immer weitere Ferne rückt?

WEITE STRECKEN IN ZEITEN DER DÜRRE

In der Sahelzone und im Norden Kenias, wo es meist nur wenige Niederschläge gibt, sind die Menschen häufig von Hungerkrisen betroffen. Die Tiere, die nicht mehr regelmäßig getränkt werden können, geben weniger Milch und die Familien leiden Hunger. Die Not war im Jahr 2017 besonders groß. Viele geschwächte Tiere verendeten, Millionen von Menschen litten unter schweren Hungersnöten.

WASSER STÄRKT DEN ZUSAMMENHALT

Dezentrale Wasserversorgung bedeutet harte Arbeit, die die Gemeinschaft aufbringen muss. Das Wasser kommt hier nicht einfach aus der Leitung. Daher setzen solche Projekte voraus, dass alle Nutzerinnen und Nutzer am gleichen Strang ziehen. Das verbindet die Menschen und stärkt den Zusammenhalt.

Der Bau eines Regenrückhaltebeckens ist eine große Investition. Der Boden muss mit Bulldozern ausgehoben und der Grund verdichtet werden. Auch Zisternen und Brunnenbohrungen sind teuer. All diese Maßnahmen helfen aber nur, wenn die Menschen vor Ort lernen, wie sie die Anlagen instand halten. Regenrückhaltebecken, Zisternen und Brunnen müssen gesäubert und gewartet werden. Das meinen wir mit Wassermanagement. Der beste Brunnen bringt nichts, wenn er versiegt. Jene Tierhalter, die auch bisher schon Landwirtschaft betrieben haben, müssen lernen, ihre Felder mit einfachen Maßnahmen besser vorzubereiten, um möglichst großen Nutzen aus der oft nur noch sehr kurzen Regenzeit zu ziehen: Kleine Furchen leiten das Wasser dosiert auf die Felder, sodass es nicht nutzlos versickert oder gar die wertvolle Bodenkrume wegspült.

KURZE WEGE RETTEN KINDERLEBEN

Die Frauen in der Region berichten von einem wichtigen Nebeneffekt der Wasserprojekte: Sie haben weniger Fehlgeburten. Die Schwangeren müssen keine langen Wege mehr auf sich nehmen, sondern können kleinere Mengen Wasser nach Bedarf schöpfen. Isacko Molu, Leiter der Caritas in der Diözese Marsabit, freut sich, dass die Programme so nachhaltig wirken. Aber er weiß auch: Es gibt noch so viele abgelegene Siedlungen, in denen die Menschen für sich und ihre Tiere dringend eine bessere Wasserversorgung brauchen. Misereor hat der Diözese diese dringend benötigte Hilfe zugesagt. Dabei bauen wir auch auf die großzügige Zuweisung von Geldauflagen.

 

– Misereor