1919 entsteht ein Verein, der sich um die deutschen Kriegsgräber des Ersten Weltkrieges sorgen und den Angehörigen helfen will. Menschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen werden Mitglieder. Rasch entsteht eine Art Bürgerbewegung – ein Volksbund, der 2019 sein 100-jähriges Jubiläum feiert.

In diesen 100 Jahren hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge viele Hunderttausend Kriegstote auf den Schlachtfeldern der beiden Weltkriege gesucht, gefunden und würdig bestattet. Dieses Engagement hat dazu beigetragen, dass die Erinnerung an die Schrecken des Krieges lebendig bleibt und der Frieden bewahrt wird.

ERINNERN, GEDENKEN UND FRIEDEN FÖRDERN

Vor Jahrzehnten wurde dafür die Formel „Dienst am Menschen“ geprägt. Hinzu kam der „Dienst am Frieden“. Eine Friedensorganisation war der Volksbund allerdings lange nicht. Es bedurfte erst der Lehren eines zweiten furchtbaren Krieges und vieler Begegnungen und menschlicher Kontakte, bis er sich selbst mit Überzeugung dieser Aufgabe verschrieb. Beides markiert heute sein Selbstverständnis. Dafür hat der Volksbund in Deutschland und im Ausland immer wieder höchste Anerkennung erfahren.

Ein Kriegsgrab zu erhalten, ein Schicksal sichtbar zu machen, ist nicht nur durch Völkerrecht, internationale Vereinbarungen und nationale Gesetze geboten. Es ist eine selbstverständliche menschliche Pflicht. Und selbst wenn es nach nun schon 100 Jahren immer weniger Familien gibt, die ein Kriegsgrab des Ersten Weltkrieges besuchen, so bleibt doch dieses Grab als Warnzeichen erhalten – als hochaktuelle Mahnung, was Menschen einander antun können, wenn Politik versagt und Gewalt entfesselt wird. Deshalb steht der Volksbund mit seiner grenzüberschreitenden Arbeit für ein friedliches Europa.

Noch immer ist das Schicksal vieler Kriegstoter vor allem aus dem Zweiten Weltkrieg nicht geklärt. Noch immer fragen Angehörige beim Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge nach und hoffen, endlich zu erfahren, wo ihr Vater oder Großvater seine letzte Ruhe erhalten hat.

KRIEGSGRÄBER IN 46 LÄNDERN

Seit der Öffnung Osteuropas kann sich der Volksbund auch um die etwa drei Millionen deutschen Soldaten kümmern, die in den Ländern des ehemaligen Ostblocks ums Leben kamen. Eine gewaltige Aufgabe, denn viele Grablagen sind nur schwer zu finden. Manche sind inzwischen überbaut, andere zerstört oder geplündert. Trotzdem gelingt es, jährlich etwa 25.000 Kriegstote zu bergen und auf Sammelfriedhöfen in Würde zu bestatten.

Heute ruhen etwa 2,7 Millionen Kriegstote auf den 832 Kriegsgräberstätten, die der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in 46 Ländern betreut und pflegt. Es sind Orte zum Innehalten, wo Vergangenheit und Gegenwart zusammentreffen. Auf steinernen Gedenktafeln sind alle Namen, Geburts- und Sterbedaten der hier Bestatteten verewigt.

Das Reiseangebot des Volksbundes ermöglicht es den Familien, die letzte Ruhestätte ihrer Angehörigen zu besuchen – für viele ein großer Trost nach Jahren der Ungewissheit. Die oft riesigen Gräberfelder erinnern alle Besucher an die grausamen Folgen von Krieg und Gewalt und mahnen eindringlich, den Frieden zu bewahren.

Auf der Internetseite www.graebersuche-online.de hält der Volksbund zudem Angaben zu den Gräbern von fast fünf Millionen Weltkriegstoten bereit. Diese Informationsquelle ist frei zugänglich und wird jährlich von über Hunderttausend Suchenden aus aller Welt in Anspruch genommen.

JUGENDARBEIT ÜBER DIE GRENZEN HINWEG

„Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden“ lautet das Motto der Jugendarbeit des Volksbundes. In Workcamps helfen Jugendliche aus verschiedenen Ländern bei der Gräberpflege und frischen z. B. die verblassten Inschriften der Grabkreuze auf. In vier Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten des Volksbundes in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Deutschland nehmen junge Menschen an friedenspädagogischen Projekten auf den dortigen Kriegsgräberstätten teil. Rund 20.000 Jugendliche und junge Erwachsene nutzen jährlich diese Angebote. So haben sie die Chance, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen und sich der Folgen von Krieg und Gewalt bewusst zu werden.

WAS KOMMT 2019?

2019 ist das Jubiläumsjahr des Volksbundes. Dazu sind Aktionen, unter anderem in Kassel und Berlin, geplant: Diskussionsreihen, eine Ausstellungsreihe „100 Jahre Volksbund“ und vieles mehr. Bewegende Momente der Begegnung werden bei Gedenkfeiern auf den Kriegsgräberstätten in La Cambe (Frankreich), Cassino (Italien) und Langemark (Belgien) erwartet. Der Umbettungsdienst wird in 21 Staaten voraussichtlich mehr als 20.000 Kriegstote bergen und würdig begraben. Auch 2019 wird der Volksbund tatkräftig von Soldaten und Reservisten unterstützt, zum Beispiel während der zahlreichen Arbeitseinsätze oder bei der Haus- und Straßensammlung. Ein Schwerpunkt 2019 wird unter anderem die Jugendund Schularbeit sein mit etwa 50 neu ausgebildeten Gruppenleitern und zahlreichen neuen Workcamps und Jugendbegegnungen in 15 europäischen Ländern.

Der Volkstrauertag, der wie jedes Jahr im November vom Volksbund bundesweit ausgerichtet und unter großer Anteilnahme wichtiger politischer und gesellschaftlicher Institutionen und der Bevölkerung begangen wird, ist ein Tag des Gedenkens und der Mahnung zum Frieden.

Schirmherr des Volksbundes ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

 

– Volksbund