Das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe/Biggesee ist Deutschlands ältestes Hospiz für unheilbar kranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit verkürzter Lebenserwartung. Anders als in Erwachsenenhospizen wird hier immer die gesamte Familie begleitet – von der Diagnose bis zum Tod des Kindes und darüber hinaus.

Betritt man das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar, erlebt man erst einmal eine Überraschung: Denn hier riecht es eher nach frisch gebackenem Kuchen als nach Krankenhaus. Das gelbgestrichene Haus

mit bodentiefen Fenstern und seinem großen Garten mit Spielgeräten ist wohnlich und gemütlich eingerichtet, die Atmosphäre familiär und vertraut. Die Flure und Räume sind mit Kerzen, Fensterbildern und anderen Bastelarbeiten geschmückt. Ein Ort zum Wohlfühlen und Kraft tanken – und genau das soll er sein. Denn vielen Kindern und Familien ist das Balthasar für einige Wochen im Jahr ein zweites Zuhause.

LEBEN BIS ZULETZT

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die erkrankten Kinder und Jugendlichen. Ihre physischen, psychischen und sozialen Bedürfnisse und ihre individuellen Fähigkeiten sind die Richtschnur für die Mitarbeiter. Ihre kurze Lebenszeit soll so positiv wie möglich gestaltet werden. Dabei wird nicht danach geschaut, was die Kinder und Jugendlichen aufgrund ihrer Erkrankung schon nicht mehr können, sondern darauf, was noch möglich ist. „Leben bis zuletzt und die verbleibenden Fähigkeiten fördern“, lautet die Devise. Klinikclowns, Snoezelenraum, Musiktherapie und Therapiebegleithunde machen den Alltag bunt und fröhlich. Freudige Augenblicke, das Leben und Lachen – das sind die vorrangigen Ziele im Kinder- und Jugendhospiz in Olpe.

EIN ZWEITES ZUHAUSE FÜR DIE GESAMTE FAMILIE

Das Besondere an Kinder- und Jugendhospizen ist, dass sie immer die Eltern und auch die Geschwister mit einbeziehen. Das ist besonders wichtig, wenn ein Kind so krank ist, dass es noch vor dem Erreichen des Erwachsenenalters sterben muss. Das Hospiz ist ein Ort, an dem die Eltern die Pflege vertrauensvoll in die Hände der erfahrenen Mitarbeiter legen können, um selbst einmal zur Ruhe zu kommen. Speziell ausgebildete Familienbegleiter leisten wertvolle Hilfe, sei es durch Gespräche oder gemeinsame Aktivitäten. Auch der Austausch der Eltern und Geschwisterkinder untereinander helfen, Trauer, Ängste und Sorgen zu bewältigen.

Nach dem Sterben eines Kindes oder Jugendlichen ist das Hospiz für die Familien da – für jeden so lange, wie er es braucht. Die Familien können sich im „Raum der Stille“ in aller Ruhe verabschieden. Dabei gestalten viele den Abschiedsbereich mit persönlichen Erinnerungsstücken. Mitarbeiter des Kinder- und Jugendhospizes Balthasar begleiten die Angehörigen und stehen zu jeder Zeit für Fragen und Gespräche zur Verfügung. Für viele Familien ist es tröstend zu wissen, dass ihre Kinder im Kinder- und Jugendhospiz Spuren hinterlassen.

„Das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar gibt es nun schon seit über 20 Jahren. Fast 1.000 Familien haben wir seitdem begleitet. Wir sind froh, unseren Gästen eine Stütze sein zu können, mit ihnen fröhliche Augenblicke erleben zu dürfen und ihnen in traurigen Momenten zur Seite stehen zu können“, sagt Rüdiger Barth, der Leiter der Einrichtung.

 AUF SPENDEN UND GELDAUFLAGEN ANGEWIESEN

Obwohl das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar nun schon seit 1998 besteht, wird die Arbeit im Haus weiterhin auch aus Spenden finanziert. Anders als bei Erwachsenenhospizen wird nur etwa die Hälfte der Gesamtkosten von den Kostenträgern übernommen. Daher sind jährlich über eine Million Euro an Zuwendungen notwendig, damit das Kinder- und Jugendhospiz Balthasar auch künftig Familien mit unheilbar kranken Kindern begleiten kann.

– Kinder- und Jugendhospiz Balthasar