Im Westen Afrikas leben die meisten Menschen von Ackerbau und Viehzucht. Eine von ihnen ist Aminata Compaoré.

Die Mutter von drei Kindern baut Hirse und Zwiebeln an. In der Trockenzeit klettern die Temperaturen bis auf 45 Grad und machten ihre Ernte bisher in kürzester Zeit zunichte. Aminata lebte in Angst, denn die Unterernährung hatte ihre Kinder krank gemacht. Die traditionellen Heilmittel versagten, und Medikamente waren unerschwinglicher Luxus. Der Tag, der ihr neue Hoffnung schenkte, begann mit einem Klopfen an ihrer Tür.

Vor ihr stand ein Landwirtschaftsberater, der sie einlud, Mitglied einer Forschungsgruppe zu werden. Noch am selben Tag saß sie mit Bäuerinnen, Bauern und staatlichen Agrarberatern an einem Tisch und versuchte zu ergründen, warum die Zwiebeln so schnell verfaulten. Sollte sie ihre Einstellung zu rein biologischer Schädlingsbekämpfung überdenken? Oder waren die Lagerungsmethoden einfach ungeeignet? Es stellte sich heraus: Die Zwiebeln waren von bester Qualität – eine gute Belüftung war jedoch für eine langlebige Lagerung unverzichtbar. Wurden die Zwiebeln bislang gedrängt in luftundurchlässigen Körben innerhalb der Wohnhäuser gelagert, setzt man jetzt auf eigens angelegte Zwiebelspeicher, die mit ihren speziellen Dächern und optimaler Durchlüftung eine bis zu 10-monatige Lagerung ermöglichen. So müssen die Zwiebeln nicht sofort verkauft werden.

VON DER KLEINBÄUERIN ZUR GROSSHÄNDLERIN

Wenn Aminata Compaoré seitdem mit ihrem voll beladenen Rad auf den Markt fährt, verkauft sie ihre Zwiebeln dann, wenn die Nachfrage hoch und das Angebot niedriger ist. So erwirtschaftet sie 40.000 statt 7.000 Franc pro Sack. Nebenbei arbeitet sie nun als Ausbilderin für Gartenbau und Gemüsekonservierung. Das Ergebnis: Ihre Kinder sind besser ernährt, seltener krank und besuchen die erste Klasse der örtlichen Grundschule.

Das neu gewonnene Selbstvertrauen spornt viele Gruppen an, ihre eigenen Ideen zu entwickeln. In Westafrika hat dieses Modell schon viele Nachahmer gefunden. Entwicklungsprojekte unterstützen Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika dabei, ihre eigenen Probleme genau zu analysieren und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Bei der Entwicklung ihrer Ideen stehen Partnerorganisationen den Menschen mit methodischer und fachlicher Beratung beiseite. Die Welt ist voller guter Ideen. Manchmal bedarf es nur ein wenig Vertrauen auf den eigenen Erfindergeist, um diese wachsen zu lassen.

 

– Misereor