Viele arme indische Familien zieht es in die Stadt. Doch der Traum vom besseren Leben endet für die Kinder oft auf der Müllkippe. Täglich arbeiten sie im stinkenden Unrat, um zu überleben. Das Kinderschutzzentrum der Kindernothilfe in Mumbai bietet den Mädchen und Jungen eine neue Chance.

Es ist unerträglich heiß, Millionen Fliegen schwirren um die Köpfe der Kinder und in der Luft liegt ein beißender Gestank. Als ein röhrender Laster auf den Müllberg fährt, wirbelt er meterhoch Staub und Dreck auf. Die Kinder laufen unbeirrt auf die Wolke zu, denn der Laster kippt neuen Abfall ab. Nur die Ersten haben die Chance, in dem fauligen Berg etwas Verwertbares zu finden. Schon beginnen sie mit bloßen Händen zu wühlen.

Szenen wie diese lassen sich überall am Rand der großen Metropolen in Indien beobachten. Govandi heißt beispielsweise eine der größten Müllkippen in Mumbai. Mehr als 6.000 Tonnen Abfall landen hier täglich. Es ist eine Mischung aus Haushaltsmüll, Krankenhausabfällen, giftigem Bohrschlamm und Tierkadavern.

Manche Kinder laufen mit Flip-Flops durch den stinkenden Müll, andere barfuß. Sie alle haben vernarbte Füße und bei vielen entzünden sich die Schnittwunden. Die giftigen Dämpfe verursachen Kopfschmerzen. Sie greifen die Augen und die Lunge an. Viele Mädchen und Jungen leiden deshalb unter chronischen Krankheiten. Dazu kommen Mangelerscheinungen, weil ihren Familien das Geld für gesunde Lebensmittel fehlt.

Die Kinder sammeln aus dem Unrat alles, was sich recyceln lässt. Anschließend schleppen sie die großen Säcke mit Holz-, Plastik- oder Metallresten zu einem Händler. Obwohl sie nur einen mageren Erlös erzielen, brauchen ihre Familien das Geld, um zu überleben. Dabei kommen viele Familien mit großen Hoffnungen in die Stadt. Meist stammen sie aus umliegenden ländlichen Regionen, wo sie keine Zukunftsperspektiven für sich sahen.

DIE STADT ENTPUPPT SICH ALS HÖLLE

Die Stadt lockt mit der Aussicht auf Arbeit, auf eine medizinische Versorgung und ein besseres Leben. Doch ohne Ausbildung haben die meisten kaum eine Chance. Es gibt keinen Platz für sie in der Welt der modernen Bürogebäude, Hotels und Restaurants. Was bleibt, ist ein Leben in einer notdürftigen Hütte am Rand der großen Mülldeponien. So ging es auch Yaros Familie. Der Vater fand keine Arbeit in Mumbai und der 11-jährige Yaro erzählt, dass er niemals den Tag vergessen werde, wo er zum ersten Mal auf den Müllberg musste, um zu arbeiten. Sein Traum von der Schule begraben unter Tonnen von Abfall.

KINDERNOTHILFE – LICHTBLICK AN EINEM DUNKLEN ORT

Das Schutzzentrum der Kindernothilfe in der Nähe der Govandi-Deponie in Mumbai will Kindern wie Yaro Wege aus dem Elend eröffnen. Das Zentrum bietet ihnen eine Umgebung, in der sie sich geborgen fühlen und medizinische Hilfe bekommen. Ihre Wunden werden behandelt und chronische Krankheiten therapiert. Auch für die Familien gibt es einen kostenfreien medizinischen Dienst. Täglich versorgt das Kinderzentrum 325 Mädchen und Jungen mit vitaminreichen, nahrhaften Mahlzeiten und frischem Trinkwasser.

KINDERRECHTE DÜRFEN KEINE TRÄUME BLEIBEN

Um dem Leben auf dem Müllberg zu entkommen, braucht es neben der Grundversorgung langfristig aber vor allem eines: Bildung. Mit zahlreichen Angeboten wie vorschulischer Förderung oder Brückenkursen ebnet die Kindernothilfe für viele den Weg in das staatliche Schulsystem. Kinder, die in die Schule gehen, haben am Nachmittag die Möglichkeit, im Zentrum Nachhilfeunterricht zu besuchen. Das setzt aber voraus, dass die Familien vom Einkommen der Eltern überleben können und die Kinder nicht länger gezwungen sind zu arbeiten. Deshalb unterstützen Sozialarbeiter der Kindernothilfe auch die Eltern und suchen gemeinsam nach Möglichkeiten, wie das Familieneinkommen verbessert werden kann. Dann kann sich für Kinder wie Yaro der Traum von der Schule und einem Arbeitsplatz erfüllen.

 

– Kindernothilfe