Vor 30 Jahren verabschiedeten die Vereinten Nationen die Kinderrechtskonvention. Damit wurden Kinder und Jugendliche erstmals als Träger eigener Rechte anerkannt. Seitdem hat sich die Lage verbessert, doch es bleibt weiterhin viel zu tun. Denn von Chancengleichheit für alle sind wir noch weit entfernt – auch in Deutschland.

Mit der Verabschiedung der Kinderrechtskonvention durch die UN-Generalversammlung am 20. November 1989 sind die ratifizierenden Staaten verpflichtet, die Kinderrechte umzusetzen. Das bedeutet, dass sie verbindliche Regeln aufstellen müssen, um Kindern und Jugendlichen Schutz, Förderung und Beteiligung zu garantieren. Kinder sind somit nicht mehr vom Wohlwollen Erwachsener abhängig, sondern können sich auf eigene Rechte berufen.

In den 54 Artikeln der Konvention geht es unter anderem um den Schutz vor Gewalt, das Recht auf Meinungsfreiheit, den Zugang zu Bildung, die Förderung von jungen Menschen mit Behinderung sowie den Schutz vor wirtschaftlicher oder auch sexueller Ausbeutung.

FEHLENDE CHANCENGLEICHHEIT DURCH ARMUT

In Deutschland sind die Kinderrechte geltendes Recht, aber noch nicht im Grundgesetz verankert. Dennoch hat sich in den vergangenen 30 Jahren vieles verbessert. Zum einen durch ein gewachsenes gesellschaftliches Bewusstsein, zum anderen auch in der Praxis. So darf beispielsweise Lärm von Spielplätzen nicht länger als schädliche Umwelteinwirkung beurteilt werden und ist somit auch kein Beschwerdegrund vor Gericht mehr.

Dennoch bleibt viel zu tun. Denn Armut sorgt auch hierzulande weiterhin für ungleiche Chancen der Kinder. Besonders gefährdet sind Kinder, deren Eltern arbeitslos sind, Familien, in denen es viele Kinder gibt, sowie Alleinerziehende und Migranten.

 GUTE BILDUNG ALS AUSWEG

Für viele Familien stellt schon der Kauf eines Schulranzens ein großes finanzielles Problem dar. Denn ein gut ausgestatteter Ranzen kostet etwa 150 Euro – für Arbeitslose oder Allein-erziehende ist das nicht nebenbei zu bezahlen und der staatliche Zuschuss ist zu knapp bemessen. Dabei sind ein Schulabschluss und eine gute Ausbildung gerade für Kinder aus benachteiligten Familien der zentrale Weg aus der Armut. Das Deutsche Kinderhilfswerk verteilt deshalb seit 2005 jährlich zwischen 1.000 und 2.000 Schulranzen an bedürftige Kinder.

Finanziert wird das aus dem Kindernothilfefonds des Deutschen Kinderhilfswerks. Aus ihm können auch Zuschüsse für Kinderbetten, Bekleidung, Nachhilfe, Musikunterricht oder Vereinsbeiträge für Sportvereine bezahlt werden. Denn die Hartz-IV-Sätze reichen dafür nicht aus.

GESUNDES ESSEN UND FERIENFREIZEITEN

Viele Eltern haben nicht genügend Geld, um ihren Kindern täglich eine warme Mahlzeit zu kochen. Das Deutsche Kinderhilfswerk berät Eltern dabei, wie sich ein gesundes Essen für wenig Geld zubereiten lässt. Insbesondere fördert die Organisation Projekte, in denen die Kinder und Jugendlichen selbst kochen lernen, gern kombiniert mit einem Gartenprojekt, in dem die Kinder – oft zum ersten Mal im Leben – beobachten können, wie Obst und Gemüse heranreifen.

„Armut ist viel mehr, als nur kein Geld zu haben“, sagt Claudia Keul von der Stabstelle Kindernothilfe und Förderungen beim Deutschen Kinderhilfswerk. „Armut betrifft die unterschiedlichsten Lebensbereiche. Arme Kinder ernähren sich ungesünder, sie haben im Winter keine warme Bekleidung, die Schulausstattung ist meist mangelhaft und in den Ferien können sie nicht verreisen.“

Um das zu ändern, hat das Deutsche Kinderhilfswerk die Aktion „Ferienspaß für alle Kinder“ ins Leben gerufen. Hierbei werden Kinder gefördert, die teilweise noch nie im Leben im Urlaub waren, weil ihre Eltern – oder der alleinerziehende Elternteil – eine Reise nicht bezahlen können. Dabei ist eine Ferienfahrt gerade für Kinder aus schwierigen Verhältnissen wichtig: Denn unterwegs können sie die bedrückende Situation zu Hause mal hinter sich lassen.

Mithilfe von Spenden und Geldauflagen arbeitet das Deutsche Kinderhilfswerk daran, die Kinderrechte umzusetzen – unabhängig vom Geldbeutel der Eltern.

 

– Deutsches Kinderhilfswerk e. V.