Die Suche nach Kriegstoten, ihre Bergung, ihre würdige Bestattung und die Betreuung der Angehörigen ist nach wie vor Kernaufgabe des Volksbundes. Kriegsgräberstätten zu Orten der Erinnerung, zu Lernorten zu entwickeln, ist ebenfalls eine wichtige Aufgabe geworden – gerade in Zeiten, in denen Nationalismus und Populismus zunehmen.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. wurde 1919 gegründet, um die Toten des Ersten Weltkrieges zu suchen. Zwei Jahrzehnte später führte der Zweite Weltkrieg dazu, dass noch mehr Tote vermisst, noch mehr Schmerz und Leid zu bewältigen waren. Ab 1946 legte der Volksbund in kurzer Zeit über 400 Kriegsgräberstätten in Deutschland an. Die Bundesregierung beauftragte 1954 den Volksbund, die deutschen Soldatengräber im Ausland zu suchen, zu sichern und zu pflegen.

832 KRIEGSGRÄBERSTÄTTEN WERDEN BETREUT

Im Rahmen bilateraler Vereinbarungen erfüllt der Volksbund seine Aufgabe in Europa und Nordafrika. Er betreut heute 832 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2,8 Millionen Kriegstoten. Mehrere Tausend ehrenamtliche und 562 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfüllen heute die vielfältigen Aufgaben der Organisation.

Nach der politischen Wende in Osteuropa nahm der Volksbund seine Arbeit auch in den Staaten des einstigen Ostblocks auf, wo im Zweiten Weltkrieg etwa drei Millionen deutsche Soldaten ums Leben kamen, mehr als doppelt so viele, wie auf den Kriegsgräberstätten im Westen ruhen. Diese Aufgabe birgt immense Schwierigkeiten: Viele der über hunderttausend Grablagen sind nur schwer auffindbar, zerstört, überbaut oder geplündert.

Seit 1991 richtete der Volksbund 331 Friedhöfe des Zweiten Weltkrieges und 188 Anlagen aus dem Ersten Weltkrieg in Ost-, Mittel- und Südosteuropa wieder her oder legte sie neu an. 934.411 Kriegstote wurden auf 83 Kriegsgräberstätten umgebettet.

ERINNERUNG ALS BILDUNGSARBEIT

Der Volksbund bewahrt mit der Anlage und Erhaltung der Friedhöfe das Gedenken an die Kriegstoten. Die riesigen Gräberfelder erinnern die Lebenden an die Vergangenheit und konfrontieren sie mit den Folgen von Krieg und Gewalt.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Volksbundes beantworten jährlich rund 35.000 Anfragen zum Verbleib der Toten beider Weltkriege und helfen bei der Klärung von Vermisstenschicksalen. Auf seiner Internetseite hält der Volksbund zudem unter “Gräbersuche online” Angaben zu den Gräbern von fast fünf Millionen Weltkriegstoten bereit. Diese Informationsquelle ist frei zugänglich und wird jährlich von über hunderttausend Suchenden aus aller Welt in Anspruch genommen. Seit 1953 führt der Volksbund internationale Jugendbegegnungen unter dem Motto “Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden” in ganz Europa durch. Die Bildungsreferentinnen und -referenten in den Landesverbänden arbeiten mit Schulen und Hochschulen zusammen und organisieren Projekte auf Kriegsgräberstätten im In- und Ausland.

FRIEDENSPOLITISCHE PROJEKTE IN EUROPA

In den vier Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten des Volksbundes in den Niederlanden, Belgien, Frankreich und Deutschland finden junge und erwachsene Menschen optimale Rahmenbedingungen für friedenspädagogische Projekte vor. Rund 20 000 Jugendliche und junge Erwachsene nutzen jährlich diese Angebote.

Der Volksbund wird von der Bundeswehr und dem Reservistenverband durch Arbeitseinsätze auf in- und ausländischen Kriegsgräberstätten, in Workcamps, bei Gedenkveranstaltungen sowie der Haus- und Straßensammlung unterstützt. Der Volkstrauertag, der jedes Jahr im November vom Volksbund bundesweit ausgerichtet und unter großer Anteilnahme der wichtigen politischen und gesellschaftlichen Institutionen und der Bevölkerung begangen wird, ist ein Tag des Gedenkens und der Mahnung zum Frieden.

Heute hat der Volksbund 300.000 aktive Förderer sowie über eine Million Gelegenheitsspender und Interessierte. Mit ihren Beiträgen und Spenden, mit Einnahmen aus Erbschaften und Vermächtnissen sowie den Erträgen aus der jährlichen Haus- und Straßensammlung finanziert der Volksbund zu etwa 70 Prozent seine Arbeit. Den Rest decken öffentliche Mittel des Bundes und der Länder.

 

– Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V.