Seit mehr als 160 Jahren fördert und begleitet die Nikolauspflege blinde und sehbehinderte Menschen, inzwischen werden auch mehrfachbehinderte Menschen betreut. Die ersten Einsätze haben die Experten unmittelbar nach der Geburt; später begleiten sie die Betroffenen durch Kindergarten und Schule über die Ausbildung bis ins Erwachsenenleben.

Blinde und sehbehinderte Menschen bekommen Inklusion, Chancengleichheit und Teilhabe nicht in den Schoß gelegt. Bis heute brauchen sie an vielen Stellen Menschen, die sie unterstützen. Dies gilt umso mehr, wenn zur Einschränkung im Bereich Sehen weitere Beeinträchtigungen hinzukommen. Mit ihrer über 160-jährigen Erfahrung hilft die Nikolauspflege den Betroffenen dabei, ihren Alltag so weit wie möglich aktiv und selbstständig zu gestalten.

Oft wird die Unterstützung der Nikolauspflege schon unmittelbar nach der Geburt eines Kindes gebraucht. Wenn Kinder mit Sehbehinderungen zur Welt kommen, sind die Eltern zunächst oft geschockt, verstehen die Ausführungen der Ärzte nicht und haben für die Einschränkungen des Kindes noch kein Gespür. Eine Sonderpädagogin der Nikolauspflege kann die ärztliche Diagnose erläutern und Vorschläge machen, wie man das Zuhause des Säuglings am besten gestaltet, damit er sich optimal entfalten kann – etwa mit bunten und kontrastreichen Farben, die bei der Orientierung helfen. Oder mit Spezialspielzeug, das besonders gut ertastbar ist oder mit Glöckchen hörbar gemacht wird. Später beraten Experten der Nikolauspflege bei der Anschaffung der ersten Sehhilfe oder auch bei der Auswahl geeigneter Fördermöglichkeiten.

INDIVIDUELLE FÄHIGKEITEN DER MENSCHEN MIT BEHINDERUNG FÖRDERN

Jedes blinde, sehbehinderte und mehrfachbehinderte Kind wird dabei nach seinen individuellen Fähigkeiten gefördert – je nach Bedarf an einer Regelschule oder auch an einer der zahlreichen Einrichtungen in Trägerschaft der Nikolauspflege. Die Kinder sind zufrieden, wenn sie Fortschritte bemerken, indem sie lernen, im Alltag immer selbstständiger zu werden: essen und trinken, sich anziehen oder auch mit Geld umgehen. Später geht es darum, den richtigen Beruf zu finden. Ziel ist es, durch eine gute Ausbildung eine Basis für eine gesellschaftliche Teilhabe zu schaffen und junge Menschen in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken.

Der technische Fortschritt ermöglicht inzwischen eine Vielzahl moderner Berufsausbildungen zum Beispiel im kaufmännischen Bereich, im Gartenbau und im Metall verarbeitenden Gewerbe. Um bei der richtigen Auswahl und beim Einstieg in die Berufswelt zu helfen, unterhält die Nikolauspflege eigene Werkstätten.

FRÜHER UND HEUTE – DIE NIKOLAUSPFLEGE IM WANDEL DER ZEIT

Die Geschichte der Nikolauspflege beginnt mit dem Lehrer einer Mädchenschule in Stuttgart, der nebenbei einen blinden Jungen unterrichtet. Er sieht in diesem Jungen nicht das blinde Kind, das vor der Gesellschaft versteckt werden muss, sondern einen wissbegierigen Schüler, der ein Recht darauf hat, Lesen und Schreiben zu lernen. Das war damals alles andere als selbstverständlich. Aus dieser Idee entstand die „Nikolaus-Pflege für blinde Kinder“. Seitdem wurde die Arbeit der Stiftung immer wieder den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechend angepasst und modernisiert.

Heute bietet die Nikolauspflege blinden, sehbehinderten und mehrfachbehinderten Menschen neben stationären Leistungen auch ambulante Unterstützung in der Nähe des Wohnorts an. Rund 1.000 Mitarbeiter arbeiten engagiert in Schulen, Ausbildungs- und Beratungseinrichtungen, Wohnheimen und Werkstätten und setzen sich dafür ein, dass Menschen mit Behinderung möglichst selbstständig ihren Weg gehen können.

 

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