Die Kinder- und Jugendhospizarbeit ist das Versprechen an die lebensverkürzend erkrankten Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen und ihre Familien, sie auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Dazu braucht es Nähe, Vertrauen und Begegnung. Doch in diesem Jahr während der Corona-Pandemie ist genau das lebensbedrohlich für die 50.000 erkrankten jungen Menschen in Deutschland. Der Deutsche  Kinderhospizverein zeigt, dass durch kreative Lösungen neue Formen von Zuwendung und Nähe möglich sind.

Familie Bähr verlässt seit dem Beginn der Coronakrise das Haus nur noch in Notfällen oder zum Einkaufen. Ihre zweijährige Tochter Merle leidet an einer lebensverkürzenden Lungenkrankheit und gehört somit zur besonders gefährdeten Hochrisikogruppe. Also bleiben alle Mitglieder der Familie zu Hause, denn Merle darf sich auf keinen Fall anstecken. Die Einschränkungen gelten auch für ihren vierjährigen Bruder Lennard. Er versteht, dass die Regeln für seine Schwester wichtig sind. Aber schwer fällt es ihm dennoch, immer zu Hause zu bleiben, keine Freunde treffen zu können und nicht auf den Spielplatz zu dürfen.

Zum Glück für Lennard gibt es Jens Kattwinkel (28). Er ist ehrenamtlicher Begleiter beim ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Siegen, der zum Deutschen Kinderhospizverein gehört. Jens kümmert sich schon lange um Lennard, damit der nicht zu kurz kommt, während seine Eltern Merle versorgen. Gerade jetzt in der Krise ist Jens ganz besonders wichtig für Lennard. Jens telefoniert mit ihm, schickt Nachrichten und geht ab und zu auch für die Familie einkaufen.        

„DANKE, JENS – DU BIST FÜR UNS EIN SUPERHELD!“

FAMILIE BÄHR AUS OLPE, NACHDEM IHR EHRENAMTLICHER BEGLEITER FÜR SIE „WEISSES GOLD“ (WC-PAPIER) IM SUPERMARKT BESORGT HATTE.      

So wie Familie Bähr und Jens Kattwinkel geht es zurzeit allen Familien, die der Deutsche Kinderhospizverein begleitet. Während der Kontaktbeschränkungen in Deutschland musste die persönliche Begleitung in unseren ambulanten Kinder- und Jugendhospizdiensten an 30 Standorten in den vergangenen Monaten ruhen. Nur unter strengen Hygienemaßnahmen, nach einer intensiven Schulung der mehr als 1.000 ehrenamtlichen Begleiterinnen und Begleiter sowie nach Abstimmung mit jeder einzelnen Familie hat der Deutsche Kinderhospizverein diese wichtige Arbeit vorsichtig wieder aufgenommen.

MIT KREATIVEN IDEEN DURCH DIE CORONA-ZEIT

Die Bildungs- und Begegnungsangebote für die erkrankten Kinder und ihrer Familien mussten dagegen alle abgesagt werden. Trotzdem möchte der Deutsche Kinderhospizverein sein Versprechen halten, die Familien auf ihrem Lebensweg zu begleiten. Die aktuelle Situation begreift der Verein als Ansporn, kreative Lösungen für Nähe, Vertrauen und Zuwendung zu finden: So haben beispielsweise die ursprünglichen Teilnehmenden der Ferienbegegnung für junge Menschen mit lebensverkürzender Erkrankung ein Paket mit einem kleinen, besonderen Labyrinth erhalten. Anstatt selbst durch ein Labyrinth zu laufen, können sie die Wege des Labyrinths mit verschiedenen mitgeschickten Materialien befüllen und mit ihren Fingern nachspüren. Ebenso musste die wichtige Arbeit mit den Geschwisterkindern neu organisiert werden. Geschwisterseminare, bei denen sich Kinder und Jugendliche mit Gleichaltrigen über ihre Lebenssituationen austauschen können, finden jetzt online statt. Auch wenn das eine persönliche Begegnung nicht ersetzt, hilft es den Kindern, Kraft zu tanken, die im  Alltag verloren gegangen ist.

SPENDENEINBRUCH DURCH DIE WIRTSCHAFTSKRISE

Die Coronakrise hat die Arbeit des Deutschen Kinderhospizvereins inhaltlich schwieriger gemacht. Dazu kommt, dass mit der Pandemie und der damit ausgelösten Wirtschaftskrise auch die Spendenbereitschaft deutlich zurückgegangen ist. Das kann sich für den Deutschen Kinderhospizverein zu einem existenziellen Problem ausweiten, wie der Geschäftsführer Martin Gierse erklärt: „Der Deutsche Kinderhospizverein finanziert sich zu zwei Dritteln aus freiwillig gegebenem Geld. Im Jahr 2019 benötigten wir rund 6,5 Millionen Euro. Fehlt dieses Geld, werden wir unsere Arbeit nicht wie gewohnt fortführen können und die Begleitung der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit lebensverkürzender Erkrankung und ihrer Familien gerät in Gefahr.“ Der Deutsche Kinderhospizverein wird weiterhin alles tun, um Familien mit lebensverkürzend erkrankten jungen Menschen zu begleiten. Es geht darum, ihnen zu zeigen, dass sie nicht allein sind. Neben Spenden sind auch Geldauflagen eine wichtige Möglichkeit, um den Familien zu beweisen, dass die Gesellschaft an ihrer Seite steht.

 

– Deutscher Kinderhospizverein e. V.