Die Corona-Pandemie bestimmt derzeit weltweit die Geschehnisse und ist in ihren Konsequenzen noch nicht abzusehen. Auch die DKMS ist mit großen Herausforderungen konfrontiert. Blutkrebspatienten brauchen auch aktuell Hilfe und Unterstützung und die DKMS arbeitet rund um die Uhr, um zu gewährleisten, dass auch weiterhin Patienten eine zweite Chance auf Leben ermöglicht wird. Dr. Elke Neujahr (Vorsitzende der Geschäftsführung und Global CEO der DKMS-Gruppe) führt weltweit 900 Mitarbeiter an den Standorten in Deutschland, USA, UK, Polen, Chile und Indien durch diese aktuelle Krise und hat im Interview erzählt, was das für die DKMS als Organisation und für sie selbst bedeutet.

Frau Dr. Neujahr, was sind die größten Herausforderungen der DKMS in Zeiten von Corona?

Uns liegen zwei Themen in der Coronakrise besonders am Herzen: Für die Sicherheit unserer Spender zu sorgen und die Stammzellspenden zuverlässig zu den Patienten zu bringen. Weltweit ermöglichen wir täglich 20 neue Lebenschancen und organisieren den Transport der lebensrettenden Fracht ins In- und Ausland. Das ist ein zeitkritisches Unterfangen, denn die Stammzellen müssen rechtzeitig beim Patienten ankommen. Bisher ist uns dies wegen des unermüdlichen Einsatzes aller Beteiligten in jedem einzelnen Fall gelungen. Das macht mich sehr froh.

Wo mussten Sie umdenken?

Im Grunde überall. Ganz massiv aber beim Thema internationale Transporte von Stammzell-spenden. Ein Hauptproblem neben den aktuellen Einreisebeschränkungen ist, dass auch die normalen Passagierflüge drastisch reduziert wurden. Zusammen mit höchst engagierten Fluggesellschaften und den Kurierunternehmen ist es uns gelungen, ein neues Verfahren auf den Weg zu bringen. Die Stammzellspenden werden jetzt von den Piloten mit ins Cockpit von Frachtflugzeugen genommen. Ein neuer Standard, der uns gerade jetzt sehr hilft, Blutkrebspatienten zu versorgen. Auch für die Kuriere auf europäischer Ebene gibt es inzwischen eine Lösung. Gemeinsam mit unseren langjährigen Partnern und Unterstützern haben wir erreicht, dass für sie Ausnahmeregelungen gelten. Diese Begeisterung und Kreativität in der Zusammenarbeit, die jetzt möglich wird, beeindruckt mich zutiefst.

Wie setzen Sie Registrierungsaktionen während der Krise um?

Zum Schutz der Bevölkerung haben wir schon sehr früh entschieden, unsere öffentlichen Spenderneugewinnungsaktionen vor Ort auf Online-Registrierungsaktionen umzustellen. Auch dafür haben wir zügig die technischen Voraussetzungen geschaffen. Das war zunächst ein schmerzhafter Einschnitt, aber unumgänglich: Inzwischen nehmen die Menschen vermehrt unser Angebot an, Online-Registrierungsaktionen zu organisieren. Dadurch lassen sich viele potenzielle Stammzellspender bei der DKMS registrieren. Unabhängig davon bleiben die Kosten für jede Registrierung weiterhin bei 35 Euro. Diese werden von den Gesundheitssystemen nicht übernommen.

Wie helfen Ihnen Geldauflagen im Kampf gegen Blutkrebs?

Nur mit der kontinuierlichen Registrierung neuer potenzieller Stammzellspender und intensiver Forschung machen wir im Kampf gegen Blutkrebs Fortschritte, um noch mehr Patienten in Deutschland und weltweit eine zweite Chance auf Leben zu ermöglichen. Geldauflagen spielen dabei eine außerordentlich wichtige Rolle in der Zuwendung an gemeinnützige Organisationen. Wir sind sehr dankbar für jede Zuweisung!

Mit Ihrem eigenen Labor, dem DKMS Life Science Lab, sind Sie jetzt auch aktiv in die Corona-Testung in Deutschland eingestiegen und unterstützen damit die Uniklinik Dresden. Was hat Sie zu diesem Schritt motiviert?

Wir sehen darin die große Chance in dieser besonderen Krisensituation, unser Know-how als weltweit führendes Labor zur Typisierung von Stammzellspendern für die dringend notwendige Ausweitung von Corona-Tests einzusetzen. Wir helfen da, wo es gerade dringend notwendig ist und die technologische High-Tech-Ausstattung ist in unserem Labor bereits vorhanden. Nun verwenden wir einen Teil unserer vorhandenen Kapazitäten für die Unterstützung des Kampfes gegen das Coronavirus.

Frau Dr. Neujahr, was wünschen Sie sich für die kommende Zeit?

Ich wünsche mir, dass wir diese Gesundheitskrise möglichst gut und bald überwunden haben. Solange werden wir unsere Kompetenz und unsere Erfahrungen, da wo nutzbringend, zusätzlich in den Dienst gegen das Coronavirus einbringen – denn auch hier geht es um Menschenleben. Ich bin zuversichtlich, dass wir als DKMS diese schwierige Phase mit vereinten Kräften gut meistern werden. Da gelten mein großer Dank und meine ganze Fürsorge unseren Mitarbeitern und unseren großartigen Spendern. Meine Gedanken sind vor allem auch bei den Patienten, die um ihr Leben kämpfen und auf uns angewiesen sind. Unsere Hilfe als DKMS ist dabei noch dringender als je zuvor. Ich bin froh und dankbar für jede Stammzellspende, die ihren Empfänger im vorgegebenen Zeitfenster erreicht. Es geht schlichtweg um Menschenleben.

 

– DKMS gGmbH